• Driftende Bauten - (Un)Mögliche Architektur

    Februar bis März 2019 kunst galerie fürth

  • SKULPTURENPARK WALDFRIEDEN

    Oktober 2015 – Februar 2016

  • Atelier in Soller

Die Welt steht Kopf

Auszug aus dem Text von Carl Friedrich Schröer

Zu den Arbeiten von Thomas Virnich

Vor über dreißig Jahren bezog Thomas Virnich mit wachsender Familie und ausufernden Ateliers eine alte, leerstehende Volksschule in Neuwerk, einem östlichen Stadtteil von Mönchengladbach. Das mit „Neuwerk“ passte prima, wie sich die Schule bestens eignete, um von hier aus neue „Welten“ (so ein früher Ausstellungstitel) zu konstruieren. Schließlich stammt Virnich selbst aus einer Lehrerfamilie. Die Schule wurde mit den Jahren mit all ihren Haupt- und Nebengebäuden, Schuppen, Kellern, Treppenhäusern, selbst dem Pausenhof und der alles umfriedenen Mauer zu seinem Zuhause und einer außergewöhnlichen Künstlervilla am Niederrhein, was die alte Schule keineswegs davor bewahrte, um- und ausgebaut, mehrmals zerlegt und neu zusammengesetzt zu werden.

Was der Künstler einen „Prozeß der Aneignung“ nennt, ist eine unablässige Folge von Auspacken, Zerlegen, Ummanteln und Verwandeln. Eine Art künstlerischer Kernspaltung, um aus dem Material (bei Virnich hochaktives Alltagsmaterial) ein explosives Neuwerk zu gewinnen. Wie bei der Schule selbst, ging er auch mit dem Ausgangsmaterial seiner Plastiken vor. Konstruktion und Dekonstruktion, Zerlegen und Zusammensetzen, Entkernen und Ummanteln, Umstülpen und Auftürmen, Aufschneiden und Aufbrechen, werden so aufeinander bezogen und ineinander verschachtelt, daß einem schwindlig werden kann.

Sein großer, mehrteiliger Werkzyklus „Fliegende Katakomben“ (ab 2000), gibt von Virnichs Zugriff auf die Welt ein beredtes Beispiel. Die Formen entspringen unmittelbar den Schulgebäuden mit samt ihren Kellern und Fundamenten. In der aktuellen Ausstellung „Helter Skelter“ sind zwei neue Ausbaustufen zu sehen, die übermannshoch und auf dem Kopf stehend, Sateliten ähneln, die aus einer fernen Galaxie kommend und von der weiten Reise schwer mitgenommen, hier in der gläsernen Halle des Skulpturenpark Waldfrieden gelandet sind.

Wer das Werk von Thomas Virnich betrachtet, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist eine kunterbunte, überbordende, einsturzgefährdete Welt aus ineinander verschachtelten Kuben und Häusern, aus spielzeugklein dimensionierten Alltagsgegenständen und stark monumentalisierten Architekturmodellen. So sehr diese märchenhafte Spielzeugwelt, wahlweise für Zwerge oder Riesen, seinem stupenden Spieltrieb entspringt, so sicher baut der Künstler seine Plastiken auf einem soliden bildhauerischen Können auf. Sein künstlerisches Weltmodell bezieht, ganz ähnlich wie unsere Erde, seine künstlerische Spannung zwischen den Polen auf, die sich gegenseitig anziehen und abstoßen. Aus dem Ineinander und Miteinander der Formen, Farben, Materialien und Vorgänge beziehen die Virnischen Figuren ihre Spannung und gewinnen ihr Spiel. Der Künstler fügt es und versucht sein Glück, dass es sich fügt. Nie aber läßt sich der Anteil des Einen oder Anderen klar trennen. So gesehen schafft Thomas Virnich skulpturale Happenings. Oder besser gesagt, er lässt ihr Entstehen zu. Die plastische Form ergibt sich aus der Negativform, das Oben bedingt das Unten, der bildhauerische Wille wird in seiner Abhängigkeit vom handwerklichen Geschick gezeigt. Die Änderung der Perspektive, der Tausch der Dimensionen, des Innen und Außen und Oben und Unten, der künstlerische Gestaltungswille (eingeschlossen die Zerstörungskraft) und das Gewährenlassen des schönen Zufalls.

Aber ist Thomas Virnichs Kunst nicht das genaue Gegenteil all dessen? Drangvolles Erfinden, überbordendes Formen, erzählerische Figürlichkeit, laute Farbigkeit, mithin Fülle statt Stille, Feuerwerk der Formen und des Materials, statt Formenstrenge und minimalistisches Geschenlassen.

John Cage etwa komponierte indem er eine Zufallscollage entstehen ließ, eine zufällig entstehende Reihung aus Alltagsgeräuschen ergab das Compositum.

Auch Virnich steht in der Tradition der Collage, die er wie kaum ein Zweiter für die Bildhauerrei aktivierte. Spielen, Sammeln, Schneiden, Sägen, Reißen, Kleben, Schaben, Schmelzen, Übermalen, Montieren und Demontieren sind die Grund(be)griffe seiner Arbeit. Virnichs wundersame Schwebezustände entstehen aus assoziativen Montagekoppelungen. Schöpferische Kraft und ihre Negativform, die Zerstörung, bringt er auf immer wieder wundervoll verstörende oder auch haarsträubende Weise in ein halsbrecherisches, labiles Gleichgewicht.

Wo von Thomas Virnichs Kunst die Rede ist, wird bald auch vom Spielen gesprochen. Dieser homo ludens entwickelt spielerisch lustvoll und scheinbar kinderleicht eine schwindelerregende Fülle an Formen und Figuren. Katakomben fliegen, die Welt steht Kopf.

Thomas Virnich vertraut bei allem auf sein Glück im Spiel: Handwerkliches Geschick, jahrzehntlange Erfahrung, tägliche Materialerprobung und eine stupende, unbändige Tüchtigkeit. Indem er sein plastisches Glück immer wieder auf die Probe stellt, läßt er es zu – art happens.

Aktuelles

Kauf der Jahresgaben unterstützt Künstler

Rheinische Post / Kunst in Mönchengladbach

16. November 2020

Thomas Virnich: Die Jahresgabe „Gipfel“ von Thomas Virnich umfasst 15 Arbeiten. Durch spezielle Arbeitsmethodik mit Ölfarbe schafft der in Gladbach lebende Künstler haptische Gebirgslandschaften.

Kolpingsfamilie will Bronzeplastik beisteuern

Die Glocke / Verl

9. November 2020


(matt). Dass rund um die Bürmsche Wiese ein Skulpturenpark entstanden ist, daran hat der Kommunalpolitische Arbeitskreis der Kolpingsfamilie Verl erheblichen Anteil. 2015 stellte die Gruppe einen Bürgerantrag. Jetzt möchte sie mit einer Bronzeplastik ein eigenes Kunstwerk hinzufügen und damit einen gestalterisch Schlusspunkt setzten.
Für die Realisierung sucht der Arbeitskreis Sponsoren und will Buchstaben verkaufen. 63 Stück hat Thomas Virnich in der V-förmigen Skulptur verarbeitet. Der Stadtlogo findet sich genauso in der Bronze-Plastik wieder wie der Name des Aufstellungsortes mit Bürmscher Wiese und Stadt Verl. „Skulpturenpark“ und „Heimathaus“ hat der in Mönchengladbach lebende Künstler als weitere Verweise verarbeitet. Thomas Virnich ist ein Werk gelungen, das auch für Diskussionsstoff sorgen wird. Da sind sich die Mitglieder der Kommunalpolitischen Arbeitskreises Berthold Stuckmann, Roland Behrend und Ferdinand Hensler einig. Abstrakt, fragil, dennoch greifbar und mit hohem Wiedererkennungswert drehen sich zwei Schenkel wie eine Helix nach oben. Eingearbeitet wurden zahlreiche Motive aus dem Stadtbild.

Das sich so bildende „V“ soll übrigens Synonym für Verl sein, so Virnich bei der Vorstellung des Modells. „Thematisch geht es um unsere fragile menschliche Gesellschaft mit all ihren Brüchen, Verletzungen und Verwerfungen, um das Vergehen, Erneuerung und Wiedergeburt“, liefert Ferdinands Hensler eine von vielen möglichen Betrachtungsweisen.
Eine Entdeckungsreise garantiert die 65 Zentimeter hohe Plastik, die auf einem etwa ebenso hohen Sockel Platz finden soll: Rathaus, St.-Anna-Glockenturn und das Heimathaus sind nur ein paar der Motive des Stadtbilds, die Virnich, der als Professor für Bildende Künste in Braunschweig tätig ist, verarbeitet hat. „Virtuoser Detailreichtum kennzeichnen Thomas Virnichs umfangreiches Werk“, findet Ferdinand Hensler.
Der Künstler selber gibt sich bescheiden. Er sagt über sich: „Meine Arbeiten sind untauglich, sie fahren, sie klingen, sie fliegen nicht.“ Aber sie sind Werke, die zum Hinschauen reizen und viele Aspekte des modernen Lebens in sich vereinen. Damit würde sich Bronze-Skulptur hervorragend in das bestehende Ensemble einfügen und gleichzeitig mit den Colorationen herausstechen. Die Auswahl hat der Kommunalpolitische Arbeitskreis nicht allein getroffen. Kurator Christian Krausch, der das Gesamtprojekt Skulpturenpark Bürmsche Wiese begleitete, hat auch die Kolpinger beraten. Ein Ort, an dem das Kunstwerk auf der Bürmschen Wiese künftig einen Platz finden kann, ist dagegen noch nicht gefunden.

Sponsoren sollen Erwerb des Werks möglich machen

(matt). Die Plastik selbst existiert bislang nur als Modell aus gefärbten Stoffstücken und Plastik-Fassaden, aus denen normalerweise Modellbahn-Häuschen gebastelt werden. „Der Entwurf sieht bunter aus, als das Werk nachher werden wird“, verspricht Berthold Stuckmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Um den Entwurf tatsächlich in Auftrag geben zu können, sucht der Arbeitskreis jetzt Sponsoren und Unterstützer.
Eine Idee ist, die insgesamt 63 Buchstaben gegen eine Spende zu vermitteln. „Jeden Buchstaben möchten wir für mindestens eine 150 Euro-Spende gewissermaßen verkaufen“, erklärt Ideengeber Roland Behrend, an den sich Interessenten auch wenden können. „Wer mehr geben möchte, den wollen wir natürlich nicht davon abhalten“, ergänzt Stuckmann. „Wir sind für jede Klein- und Großspende unabhängig vom Buchstabenverkauf dankbar“, schiebt Ferdi Hensler nach.
Die ersten vier Lettern sind bereits verkauft. Die Kolpingsfamilie, die sich mit dem Kolping-K auf dem Werk wiederfindet, beteiligt sich mit 2000 Euro an der Realisierung. Ein erster Privatspender ist ebenfalls schon gefunden. Dennoch: Erst wenn 70 Prozent der benötigten Spendengelder generiert sind, will der Arbeitskreis die Plastik in Auftrag geben. „Wir hoffen Ende Januar soweit zu sein“, sagt Berthold Stuckmann. Der Kostenrahmen bewegt sich im unteren fünfstelligen Bereich.
Bei der Sponsorenakquise geht der Arbeitskreis gezielt vor und bittet Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen in einem Schreiben um Unterstützung. Gönner werden sich später auf einer Liste wiederfinden. Der Öffentlichkeit soll die Plastik nach Vorstellung des Kommunalpolitischen Arbeitskreises im Rahmen des Stadt- beziehungsweise Bürgerfests dann feierlich übergeben werden. Es soll, so der Arbeitskreis, im Mai nächsten Jahres nachgeholt werden.

Turm zu Babel 2020

Die Bronzeplastik zeigt die Fragilität des Lebens

Bildhauer und Kunstprofessor Thomas Virnich spendet 2 x 5 Multiples für Obdachlose

Thomas Virnich hat in seinem Leben schon viele hochkarätige Preise erhalten, u.a. den Förderpreis des Landes NRW und der Stadt Aachen, den Niedersächsischen Kunstpreis, den Villa-Romano- und Villa-Massimo-Preis sowie das Karl Schmidt-Rottluff-Stipendium. Nun hat der hoch angesehene Bildhauer und Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig sich für Obdachlose engagiert. Für das Housing First-Programm des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) in Mönchengladbach Rheydt schuf er eine kleine, ca. 50 cm hohe Bronze-Plastik in zwei Variationen, den Turm zu Babel. Die Wohnung des SKM wird zudem vom Housing First Fonds gefördert, den das Düsseldorfer Straßenmagazin fiftyfifty und der Paritätische NRW ins Leben gerufen haben.
Astrid Thiess, Sozialarbeiterin beim SKM, hat den Künstler erst vor einigen Wochen um Hilfe gebeten. “Ich bin begeistert, wie schnell er diese beiden Werke für uns geschaffen hat”, sagte sie bei der Präsentation der Plastiken. Der SKM will im Rahmen des Projektes Housing First vier Wohnungen für Langzeitobdachlose zur Verfügung stellen, die zum Teil gekauft werden sollen.

Links: fiftyfifty | RP-Online

Der Kunsthistoriker Dr. Thomas Hirsch schreibt dazu:
“Thomas Virnich konstruiert in seiner Skulptur aus handbemalter Bronze eine Architektur, die unmittelbar an den Turm zu Babel erinnert und die dort thematisierte Hybris aufgreift. Virnichs Arbeit besteht aus Modelleisenbahn-Häuschen, die nun, beschädigt, übereinander geschichtet sind. Alles gerät ins Rutschen, hält sich gerade noch, erinnert an die Puppenstube und bricht doch gerade mit ihr. Gewiss haben die winzigen Raumeinheiten mit den Unterkünften armer Menschen zu tun. Sie erinnern in ihrer Fragilität und gleichzeitigen Anmut aber auch daran, wie schön das Leben sein kann und wie es sich von einem auf den anderen Tag ändern kann.”

Sight Seeing

Die Welt als Attraktion – Kunsthalle Emden

8. Februar – 14. Juni 2020
verlängert bis 6. Oktober 2020

Villa Kunterbunt

RALPH KLEINSIMLINGHAUS – VILLA GOECKE Krefeld

Der Katalog zur Ausstellung

VILLA KUNTERBUNT betitelt Thomas Virnich diese Ausstellung, die einen stringenten Einblick in das skulpturale Werk der letzten Jahre bietet, insbesondere die Keramik und von ihr abgeleitete Mischtechniken betreffend. Dieses Stichwort „Villa Kunterbunt“ sagt als solches alles Wichtige über die Ausstellung und die verschiedenen Aspekte des rezenten Oeuvre von Thomas Virnich, den Humor, die prononcierte Farbigkeit seiner Auffassung der Skulptur, die innige Verbindung seiner Skulpturen zur Architektur („Villa“) und zur Thematik des Raumes, den paradoxalen Charakter seiner dreidimensionalen Gebilde und die Kindheitsfantasien, an die sie erinnern bzw. die sie zulassen. Der Titel entstand nachträglich, als Zusammenfassung des Unterfangens dieser Ausstellung. Er entstammt der Welt von Pippi Langstrumpf, womit diese unterschiedlichen Höhenlagen sich nochmals auf andere Weise angesprochen finden.

HELTER SKELTER

Ein munterer Gang durch den Kosmos von Thomas Virnich

Titelstory im SAMMLER Journal (Januar 2020) von Dr. Bettina Krogemann

THOMAS VIRNICH – „VILLA KUNTERBUNT“

14. Juli – 22. September 2019

RALPH KLEINSIMLINGHAUS
VILLA GOECKE
TIERGARTENSTRASSE 57 | 47800 KREFELD

Die Einladung zu einer Einzelausstellung in der historischen Villa Goecke in Krefeld hat Thomas Virnich besonders inspiriert. Neben der Ausstellung neuer Großkeramiken und -bronzen hat der Künstler anhand alter Originalpläne und Architekturaufnahmen der Villa Goecke diese als Miniaturmodell in seiner eigenen Manier nicht nur neu entstehen lassen, sondern auch durch das Abgießen von Fassadenteilen neue Bauelemente gewonnen und diese in neuen Formen zu futuristischen, utopischen Architekturen kombiniert. Es ist eine „Villa Kunterbunt“ entstanden, die skulptur- wie auch architekturbegeisterte Menschen gleichermaßen faszinieren möchte.

INTERVIEW THOMAS VIRNICH UND ULRIKE SCHRÖTER

„Die Teilnehmer an der Gesprächsrunde versammeln sich in Thomas Virnichs Atelier in Bettrath. Auf dem Weg ins Atelier überquert man einen faszinierenden Hof voller Kunstwerke, Maschinenteile, Spielzeuge oder Kuriositäten. Als noch eine Sitzgelegenheit fehlt, holt Ulrike Schröter einen alten Hocker aus dem Nebenraum, an dem man die Sitzfläche hochklappen kann. Darunter ist Stauraum. „Da baut sich Thomas noch eine Welt hinein“, kommentiert sie, bevor sie sich darauf setzt.

PDF-Download RP Interview vom 24.12.2018

VILLA KUNTERBUNT - Villa Goecke - 2019

„VILLA KUNTERBUNT“ 14. Juli – 22. September 2019 RALPH…

DAS HAUS - „Marktplatz der Möglichkeiten“ - 2018

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Driftende Bauten (Un)Mögliche Architektur 10.Februar bis 25.…

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Welten 1995

HOMO LUDENS, CREATOR MUNDI Ulrich Krempel 1. Der Künstler…

Paradies hin und zurück

Thomas Virnich - Paradies hin und zurück Roemer- und Pelizaeus-Museum…