Fliegende Katakomben

Das Projekt „Fliegende Katakomben“ reifte 1999 – 2001 in Mönchengladbach selbst heran – in der alten Schule von Neuwerk, die mitsamt Nebengebäuden und Schulhof seit den achtziger Jahren der Wohnsitz des Künstlers und seiner Familie ist. Von seinem eigenen Haus ausgehend versuchte sich der Bildhauer Virnich ein Bild zu machen, wie Gebäude aus der Vogelperspektive und der Sicht eines Maulwurfs aussehen. Wie ein Baum mit seinem freigelegten Wurzelwerk zu einem neuen Gewächs wird. So ist die Stadt mit ihren in die Erde eingegrabenen Negativen von Kellern, Kanälen und Leitungen ein skelettartiges Labyrinth, in dem das Sichtbare und Wiedererkennbare nur noch einen Teil ausmacht.

Dabei kamen dem Künstler Erfahrungen zugute, die er während seines Villa Romana Aufenthaltes 1991 in römischen Katakomben gesammelt hatte. Thomas Virnich hatte sich Jahre zuvor immer wieder mit der Haus-Idee, dem Negativ und Positiv von Räumen und – über ein Antwerpener Requisitenlager von Science-Fiction-Filmen – mit dem utopischen Charakter unserer Lebenswelt beschäftigt. Mittels Spiegelung der Modellhäuser in seinem eigenen Swimming-Pool entdeckte er, dass die auf dem Kopf stehende Stadt aus Pappmaché fast schwerelos wurde, Verbindung mit dem Himmel aufnahm und wie ein Heissluftballon – zumindest in der künstlerischen Fantasie – davon schweben konnte.


Die „Fliegenden Katakomben“ besitzen – wie immer im künstlerischen Werk von Virnich – ständig neue Ansichten, Aufstellungsmöglichkeiten und Seinsweisen. Das macht ihren utopischen Charakter aus, der die vermeintliche Spielzeugwelt überhöht. Nach einer Ausstellungstournee, die im Museum Wiesbaden begann und in immer neuen Variationen sich im Kunstmuseum Magdeburg und dem neuen Museum in Nürnberg fortsetzte, landen nun die „Fliegenden Katakomben“ in seiner Heimatstadt Mönchengladbach.


Jahr

2002

Material

Mixed Media

Dimension

raumfüllend